App-Test/Review: Real Racing 3

Nach einer langen Entwicklungszeit ist Real Racing 3 Ende Februar im App Store gelandet. Die Erwartungen an das neue Spiel sind groß, schließlich war der Vorgänger Real Racing 2 die Messlatte für alle Rennspiele im App Store. Real Racing 3 verspricht einige Neuerungen und Innovationen. Es gibt nun mehr Autos, reale Strecken, ein neues Grafik-Engine und den Time Shifted Multiplayer. Aber der Reihe nach …

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Hausaufgaben wurden gemacht

Man bemerkt beim Spielen ziemlich schnell die großen Fortschritte im Vergleich zum letzten Teil. Die Grafik sieht sehr ahnsehnlich aus. Die Autos sind sehr detailreich gestaltet und auch die Strecken wurden liebevoll designt. Sie sehen den realen Strecken sehr ähnlich. Bei den Kurzanbindungen der Strecken hat man allerdings geschlampt. Die Teile der Kurzanbindungen, die sich vom Originalkurs unterscheiden, sehen nämlich ziemlich monoton und überhaupt nicht nach der Originalstrecke aus.

Wie es schon von Real Racing 2 bekannt ist, gibt es ein Schadensmodell. Im dritten Teil ist dieses noch viel detaillierter, was man vor allem am eigenen Auto merkt. Die Windschutzscheibe kann springen und das Auto bekommt im Laufe des Rennens jede Menge kleine Beulen ab. Die Szenen im Rückspiegel sind ebenfalls sehr schön animiert.

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Generell ist die gesamte Spielwelt grafisch sehr gelungen. Das Blickfeld reicht weit und an den richtigen Stellen, nämlich an den Autos, wurden Akzente auf die Details gesetzt. Die kleinen Zwischensequenzen im Hauptmenü und am Start zeigen dabei immer mit voller Breitseite die grafische Finesse des Spiels auf.

Die Soundkulisse stimmt ebenfalls. Die Autos hören sich unterschiedlich an und es gibt jede Menge kleine Geräusche, vor allem bei hoher Geschwindigkeit. Mir persönlich gefällt es sehr, dass es nun einen authentischen Soundeffekt beim Überfahren der Randsteine gibt. An der Fahrphysik kann man genauso wenig meckern. Die Autos haben alle einen Grenzbereich, und wenn man den überschreitet bricht das Heck aus. Das mit dem Ausbrechenden Heck ist gut gelöst worden, da man das Auto auf diese Weise immer wieder abfangen kann, egal wie sehr man die Kurve vermasselt hat.

Fahrphysik und Steuerung kommen vor allem auf den Kursen zur Geltung, in denen es rasant bergauf und bergab geht. Das Auto reagiert je nach Lage unterschiedlich und als Fahrer muss man seine Brems- und Einlenkpunkte den Gegebenheiten anpassen.

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Wenn man den Eindruck von Fahrphysik und Steuerung zusammenfasst, kann man sagen dass es einfach nur mächtig Laune macht, die Autos zu fahren. Realismus-Fans werden sich zwar ärgern, da der Wagen generell eher leicht zu kontrollieren ist und nie zum Untersteuern neigt, aber der Großteil der Nutzer wird sich über diese Steuerung mit Sicherheit freuen.

Qualitative Quantität

Der Umfang des Spiels rechtfertigt die lange Entwicklungszeit in jedem Fall. Es gibt 22 lizenzierte Wagen, reale Strecken sowie sehr gelungene Fantasie-Kurse und einen unglaublich großen Batzen von mehr als 900 Rennevents. Real Racing 2 hatte mit einer 10 Stunden langen Karriere bereits für Aufsehen gesorgt, aber im dritten Teil wird man wohl mehr als doppelt so lange Pokale, Geld und Ruhm abgrasen können.

Die Rennmodi sind abwechslungsreich. Es gibt normale Rennen über eine Distanz von einigen Runden, Mann gegen Mann Duelle, Zeitrennen und drei neue Modi, in denen es um Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigung geht. Im Drag-Modus muss man manuell anfahren und selbstständig schalten. Ziel ist es, die gerade Strecke schneller zu meistern als der Gegnger. Im Speed Snap und Autocross muss man eine möglichst hohe Geschwindigkeit erreichen. Je nach Modus entweder an einem bestimmten Punkt oder igrendwo auf der Strecke. In einem weiteren neuen Modus gilt es, möglichst weit zu fahren. Dabei kämpft man gegen die herunterlaufende Uhr, die sich durch Überholmanöver aufladen lässt.

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Die Autos lassen sich in ihrer Leistung auf viele verschiedene Wege modifizieren. Für den optischen Bereich gibt es nach wie vor nur die Möglichkeit, das Auto anders zu lackieren.

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Innovativ sein ist angesagt

Mit Real Racing 3 bringen die Firemonkey Studios einige neue Elemente mit, die wir teilweise schon vom großen Vorbild Gran Turismo kennen. Das Auto muss hin und wieder gewartet werden. Je mehr man fährt, desto mehr setzt auch der Verschliess von Reifen, Federn und Öl ein. Wenn uns nicht darum kümmern, fährt unser Auto langsamer.

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Auch Rempeleien auf der Strecke bleiben nicht länger ungestraft. Wer Kleinholz produziert, wird auf der Strecke langsamer und bleibt es auch, wenn er die Schäden nicht repariert. Die Features sind nett, aber letzen Endes nur eine weitere Methode um Geld für In-App Einkäufe einzutreiben. Dazu später mehr.

Neu ist auch der Time Shifted Multiplayer. Bei allen Events im Spiel fährt man gegen reale Gegner – nur zeitversetzt. Hierzu nimmt sich die App wohl die Rundenzeiten von Spielern heraus, die für uns einen gesunden Schwierigkeitsgrad ergeben. Die App speist die Rundenzeiten dann in die KI ein. Die KI handelt dann ganz normal wie die KI, aber sie fährt die Rundenzeiten der realen Spieler.

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Im normalen Rennen ist dieses Feature etwas fehl am Platz. Es führt nämlich dazu, dass die Führenden oft uneinholbar vorne sind, und die Autos Avatare und Namen von anderen Spielern tragen, obwohl man doch eigentlich gegen die KI fährt.

In Zeit-, Drag- und Höchstgeschwindigkeitsrennen ist das Feature besser integriert. Interessant wird es dann, wenn man gegen die Zeiten seiner Freunde fährt. Mich hat es überrascht, das der Schwierigkeitsgrad, ausgenommen der normalen Rennen, gut gewählt wird. Trotzdem bringt der Time Shifted Multiplayer den Nachteil mit sich, dass sich der Schwierigkeitsgrad nicht mehr verändern lässt. Das Feature sollte sich deaktivieren lassen, da er nur wenigen Leuten wirklich von Nutzen ist. Das Gimmik ist nichts, was das Spielprinzip revolutioniert, es ist jediglich ein verbessertes Gamecenter.

Japanisches Kobe-Rind Steak gewürzt mit Mayonaise

Bis zu diesem Punkt klingt Real Racing 3 nach einem durch und durch gelungenen Spiel. Und das auch noch gratis. “Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul”, heißt außerdem ein bekanntes Sprichwort. Seine Schöpfer kannten aber das Freemium-Prinzip noch nicht…

Bei Freemium Apps ist eine App zwar zunächst kostenlos, lädt aber dazu ein, In-App Einkäufe zu tätigen. Nach diesem Prinzip funktioniert auch Real Racing 3. Es gibt eine Art Zweitwährung, mit der man Items freischalten und Wartezeiten überspringen kann. Wenn man sich nämlich ein neues Auto kauft, muss man warten. Wenn man es aufrüstet, muss man warten. Wenn man es repariert, muss man warten. Um die Wartezeiten zu umgehen, muss man mit der Zweitwährung zahlen. Diese Währung kann also schnell zur Neige gehen, und man muss sie sich nachkaufen. Andererseits muss man, richtig erraten, warten.

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Schlimmer ist es aber mit der normalen Währung. Wenn man kein Geld in die App investieren will, muss man viele Events drei oder viermal spielen, da man sich zunächst ein wenig Geld verdienen muss und der Wagen währenddessen unterlegen ist.

Klar, die Entwickler wollen auch von irgendetwas leben. Aber so macht das wirklich keinen Spaß. Es ist komfortabler, einen angemessenen Preis für die App zu zahlen, und sie dann in einem Zug und ohne Nachteile spielen zu können. Mit der Freemium-Methode hat man keinen Überblick darüber, wie viel Geld man schon in die App verfeuert hat und es ist gleichzeitig kein Ende in Sicht. Durch so etwas kann man ein eigentlich sehr gut gemachtes Spiel ziemlich weit herunterziehen.

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Fazit

Real Racing 3 wäre ein wunderbares Rennspiel, wenn da nicht der Freemium-Haken wäre. Einerseits ermöglicht er es zwar einem breiten Publikum, und davon lebt der Time Shifted Multiplayer, das Spiel zu spielen, andererseits zieht er einem aber das Geld aus der Tasche. Ich gebe Real Racing 3 8 von 10 möglichen Punkten. Ohne Freemium wäre die volle Ladung möglich gewesen.

Übersicht

Entwickler: Firemonkey Studios

Größe: 716 MB

Preis: gratis (Freemium-Applikation)

Testgerät: iPad 4

Bewertung: 8 von 10 Punkten

App Store Link